Category: Afrika


Ein Targi der unterwegs ist trägt immer eine Waffe, entweder ein Schwert, einen Armdegen oder einen Dolch. Ohne seine Waffe würde er sich wehrlos fühlen, sie hat
für ihn sowohl eine psychische als auch physische Schutzfunktion.

In der Sozialordnung zeigt kein anderes Objekt so deutlich den hohen sozialen Status, denn ursprünglich durften nur die Adligen ein Schwert besitzen; später wurde das Schwert auch den Vasallen erlaubt.

Der wichtigste Bestandteil des Schwertes ist die Klinge. Die meisten Klingen waren europäischer Herkunft, bevorzugt aus Passau, Solingen, oder Toledo. Die Touareg
haben die Wappenstempel in magisch-symbolische Darstellungen verwandelt, die sie vor den negativen Wirkungen des Klingeneisens schützen sollen.

Die Scheide besteht aus mehrfarbigem Leder, wobei grün fast immer vorhanden ist, weil diese Farbe für die Touareg als Zeichen für einen hohen Status gilt. Die
Lederscheiden sind fein dekoriert; Kupfer, Messing, manchmal Blech dienen als Schmuck sowie auch als Schutz.

Objekte aus gebrannter Erde sind mehreren Datierungsmethoden zugänglich; aufgrund ihrer weiten Verbreitung und der großen Mengen an gebrochener Fundmaterial
werden Keramikreste deshalb oft zur Altersbestimmung neolithischer und anderer prähistorischer Stationen benutzt.

Behälter aus Keramik stammen überwiegend aus der Blütezeit des Sahara-Neolithikums und späteren Perioden.

Die Frage in welchem Ausmaß prähistorische Bewohner der Sahara Keramikgefäße benutzten und ob sie ein Indiz für eine stationäre Lebensweise sind ist unklar, doch ist
sehr wahrscheinlich, dass Holzgefäße neben Tonbehälter im Gebrauch waren.

Ihre Verwendungsbereiche überschneiden sich nur partiell. Abgesehen davon dass Holzgefäße nicht über Feuer erhitzt werden können, quillt das Material schnell
und Wasser verliert schnell seinen Geschmack. Dagegen sind poröse Keramikgefäße sind sehr gut geeignet Wasser über längere Zeit genießbar und durch die Verdunstung
an der Gefäßoberfläche auch kühl aufzubewahren.

Fundzusammenhänge belegen, dass abgesehen von der Nahrungszubereitung und Wasseraufbewahrung die hauptsächliche Funktion in der Speicherung nur saisonal
verfügbarer pflanzlicher Nahrungsmittel zu suchen ist.

Die ersten Belege der Eisenverhüttung in Afrika gehen auf die letzten Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung zurück.

Wenn Eisen verarbeitet wurde, dann größtenteils für Waffen und Gebrauchsgegenstände. Rituell verwendetes Eisen ist mit Ausnahmen vor allem aus Mali und Nigeria bekannt.

Die Schmiede nehmen in fast allen afrikanischen Gesellschaften eine Sonderstellung ein. Die Art und Weise der Stellung ist oft sehr unterschiedlich – der Schmied kann Objekt der Verehrung, des Misstrauens und der Angst seiner Dorfgenossen sein. Diese weisen dem Schmied in der Regel wie etwa bei den Dogon ein eigenes Wohnviertel zu.

Da er mit Feuer umzugehen versteht, sagt man dem Schmied magische Kräfte nach. Bei einigen Volksgruppen schnitzt der Schmied darum auch bestimmte rituelle Objekte wie Masken und Figuren aus Holz.

Bei den Bambara und Dogon werden die rituellen Eisenobjekte, die der Schmied fertigt auf Hausaltäre gestellt, oder auch als persönliche Talismanne mitgeführt, wie die figurativen Bronze- Objekte der Lobi.

Bei den Dogon rankt sich eine Reihe von Legenden um den Schmied und seine Stellung in der Mythologie, speziell seine Rolle bei der Erschaffung der Welt.

Die genaue Bedeutung der Metallobjekte liegt wie auch bei den Holzskulpturen meist im Dunkeln. Stabskulpturen werden auf Altäre gesteckt, bei verschiedenen Tierdarstellungen lässt sich vermuten, dass sie auf Hausaltären platziert waren und
Totemtiere darstellen.

Die Lobi legen Eisenschlangen als Schutz vor Giftschlangen vor die Eingänge ihrer Hütten. Andere Tierdarstellungen, meist aus Bronze sollen die bösen Geister von getöteten Tieren besänftigen.

22 Mai 2013

Dass der Mensch auch die trostlosesten Stellen in der Sahara bevölkerte, ist durch die unzähligen Geräte, die er dort zurückgelassen hat reichlich belegt. Doch die Reibschale zum Mahlen von Korn und der dazugehörige Läuferstein sind ein wesentliches Element in der Revolution, die vor etwa zehntausend Jahren, in der Jungsteinzeit (Neolithikum), losbrach.

Der Mensch lernte, die ihm von der Natur zur Verfügung gestellten Produkte zu verarbeiten. Das Sammeln von Getreide zur Herstellung von Mehl ist die Grundlage, von der aus er eines Tages, um den wachsenden Bedürfnissen Genüge zu tun, dazu überging, Ackerbau zu betreiben. Am Südrand der Sahara werden auch heute noch authentische prähistorische Geräte dazu verwendet, um Getreide zu mahlen, aus dem man Fladenbrot oder Kuskus herstellt. Dabei ist die Arbeit des Betreibers dieselbe wie die, seiner fernen Vorfahren, die gleiche auch wie die, welche uns auf ägyptischen Basreliefs erhalten geblieben ist.

Die einfache Reibschale, auf welcher der Reibstein bzw. der Läufer gleitet und die teilweise durch Pickung wieder aufgeraut und wirkungsvoller gemacht wurden, ist ein sehr viel einfacherer Typ, als die kleinen arabischen Steinmühlen, die aus zwei Mühlsteinen bestehen, von denen der eine, bewegliche, auf der anderen feststehenden, durch Drehung um die gemeinsame Achse
mahlt.

Das westafrikanische Töpferhandwerk wird hauptsächlich von Frauen ausgeführt. Sie formen ihre Töpfe weder mit einer Töpferscheibe, noch mittels der bei uns bekannten Technik der Aufbaukeramik. Auf Matten aus Pflanzenfasern der Dumpalme und des Affenbrotbaums oder auf ausgedienten Stoffen, wie Stücken aus Sackleinen werden die Arbeiten verrichtet. Während der Bearbeitung zeichnet sich das Muster der Unterlagen auf der Topfaussenseite ab.

Der vorbereitete Lehm wird zu einem Kegelstumpf geformt und mit Hilfe eines etwa faustgroßen Kieselsteins wird eine Vertiefung hineingetrieben, bis eine Hohlkugel entsteht. Je mehr die Hohlkugel von innen geschlagen wird umso dünner und gleichmäßiger wird sie, bis der fertige Topf geformt ist. Erfahrene Töpferinnen stellen so Gefäße her, deren Wandstärke oft nur wenige Millimeter betragen.

Nach dem Formen des oberen Randes, wird der Topf an der Luft vorgetrocknet und dann in Gruben in offenem Feuer gebrannt.

Diese Technik der Herstellung von Gefäßen aus Keramik lässt sich bis ins frühe Neolithikum vor ca. 10 000 Jahren zurückverfolgen.

Bei verschiedenen Ethnien werden die Töpfe vor dem Brennen mit Mustern verziert, die mit Dornen oder Kämmen aufgebracht werden; verschiedentlich bestehen die Verzierungen auch aus Farbaufträgen.

Verwendung finden Töpfe zum Wassertranport, zur Herstellung von Hirsebier, das an Markttagen in großen Mengen verkauft wird, und zur Aufbewahrung von Speisen sowie zur Kühlung von Brunnenwasser.

Schalen und Schüsseln aus Holz sind für Nomaden sehr wichtig – Tonbehälter zerbrechen leicht und finden deshalb nur selten Verwendung.

Holzschalen werden vor allem für die Zubereitung und Aufbewahrung von Milchprodukten benutzt und finden auch Verwendung als Teller für das gemeinsames Essen.

Tamarisken- und Akazienbäume liefern die bevorzugten Holzsorten für die Schalen, Schüsseln, Schöpfer und Löffel, wobei für die Auswahl des Holzes die Härte eine wesentliche Rolle spielt.

Die Bearbeitung erfolgt solange das Holz noch frisch ist, mit einfachen Werkzeugen wie Dechsel, Messer und Stichel. Oft reißen die Schalen nach oder während der Herstellung. Risse sowie Astlöcher werden dann mit Metallspangen und Metallauflagen überarbeitet wodurch die Schalen nicht an Wert verlieren.

Nach der Fertigstellung werden die Schalen gefettet und angekohlt, oder mit Ruß geschwärzt und meist mit geometrischen Ornamenten verziert.

Als Ohrschmuck kennen die Touareg hauptsächlich Ohrringe verschiedener Ausführung, welche immer im durchbohrten Ohrläppchen getragen werden und dieses durch ihr Gewicht oft beträchtlich in die Länge ziehen. Die gebräuchlichsten sind die Modelle mit Namen ’schizabatan‘, die aus massiven Silberringen und mit Punzierungen verziertem Polyederknauf bestehen. Kleinere Modelle sind glatt und werden mittels Federhaken geschlossen. Alle Ohrringtypen werden in der Regel als Paar getragen.

Als Handelsobjekte sind Tee und Zucker fast die einzigen Gebrauchsgüter für die ein Nomadenhaushalt Bargeld ausgeben muss; Zucker wird in 2 kg schweren Hüten,  eingepackt in Papier, verkauft.

Um diese Zuckerhüte in kleine, mundgerechte Stücke zu zerlegen, fehlt in keinem Haushalt der Zuckerhammer, oft in prachtvoll ornamentierter Ausführung. Die übliche Form hat einen rechteckigen Kopf; bei den Regibat sind auch Hämmer in Gazellenform gebräuchlich, von den Touareg sind Hämmer in Axtform bekannt.

Neben den traditionellen Hämmern, die von lokalen Handwerkern angefertigt werden, finden auch alle möglichen anderen, hammerähnlichen Objekte Verwendung: Ausgedientes Werkzeug, wie Schraubenschlüssel, oder etwa Ventile zerlegter LKW-Motoren.

Einige Zweige des Touareg-Handwerks werden heute von Spezialisten ausgeführt; dazu zählt auch die Herstellung von Oberarmreifen aus Stein.

Die verschiedenfarbigen weichen Steinplatten werden in entsprechender Größe gebrochen und der Reif mit dem Querbeil grob aus dem vorgefundenen Vollmaterial herausmodelliert, bis zum Schluss der innere Kern des Grundmaterials aus dem Ring herausfällt. Nach der Feinbearbeitung der Reifen mit der Feile werden die fertig geformten Ringe gefettet und manche Typen mit Ruß geschwärzt.

Die Touaregmänner tragen diese Ringe am Oberarm, meist kurz über dem Ellbogen, wegen ihrer magischen Schutzwirkung vor bösen Geistern; zusätzlich haben diese Ringe eine Schmuckfunktion.

Seit einigen Jahren werden die Kerne, die bei der Ringherstellung als Abfallprodukt anfallen zu steinernen Anhängerchen, die ihre Vorbilder oft in Schmuckanhängern des Agadezkreuztypus und dessen Modifikationen haben, weiterverarbeitet.

Amulette sind sowohl als Schutz gegen den bösen Blick, Krankheiten und Verletzungen, als auch wegen ihrer sozio-ökonomischen Bedeutung als Statussymbol verbreitet.

Amulette aus Silberblechen, meist rechteckig oder mit dreieckiger Grundform mit stufenförmigem Aufbau, enthalten meist Zettel mit Koranversen, oder alten Zauberformeln aus dem Wissensschatz der Marabouts. Der Inhalt kann aber auch lediglich aus einem Stück Waschmittelkarton bestehen.

Wegen der magischen Kräfte des Materials werden solche Amulette auch aus Kupfer oder Messing hergestellt. Die meisten Objekte werden heute nur noch als reiner Schmuck getragen.

Ein weiterer Anhänger, der als Amulett Verwendung findet, ist die ‚Hand von Fatima‘, dieses Amulett mit dem Namen Khamsa oder Chomeissa, was auf arabisch ‚fünf‘ bedeutet ist in der ganzen islamischen Welt verbreitet.

Bei den Touareg werden die fünf Finger von Fatimas Hand durch fünf Rauten dargestellt. Der Grundkörper der Amulette besteht aus Leder und ist auf der Vorderseite mit rautenförmigen Silberblechen, Muschel- oder Knochenteilen bestückt.

Als weitere Variante findet man Amulettanhänger, die ganz aus Leder bestehen und nur durch Punzierungen verziert sind. Diese Amulette haben eine ausgesprochene Schutzfunktion vor Unfällen und Krankheiten.