Category: Touareg


Ein Targi der unterwegs ist trägt immer eine Waffe, entweder ein Schwert, einen Armdegen oder einen Dolch. Ohne seine Waffe würde er sich wehrlos fühlen, sie hat
für ihn sowohl eine psychische als auch physische Schutzfunktion.

In der Sozialordnung zeigt kein anderes Objekt so deutlich den hohen sozialen Status, denn ursprünglich durften nur die Adligen ein Schwert besitzen; später wurde das Schwert auch den Vasallen erlaubt.

Der wichtigste Bestandteil des Schwertes ist die Klinge. Die meisten Klingen waren europäischer Herkunft, bevorzugt aus Passau, Solingen, oder Toledo. Die Touareg
haben die Wappenstempel in magisch-symbolische Darstellungen verwandelt, die sie vor den negativen Wirkungen des Klingeneisens schützen sollen.

Die Scheide besteht aus mehrfarbigem Leder, wobei grün fast immer vorhanden ist, weil diese Farbe für die Touareg als Zeichen für einen hohen Status gilt. Die
Lederscheiden sind fein dekoriert; Kupfer, Messing, manchmal Blech dienen als Schmuck sowie auch als Schutz.

Schalen und Schüsseln aus Holz sind für Nomaden sehr wichtig – Tonbehälter zerbrechen leicht und finden deshalb nur selten Verwendung.

Holzschalen werden vor allem für die Zubereitung und Aufbewahrung von Milchprodukten benutzt und finden auch Verwendung als Teller für das gemeinsames Essen.

Tamarisken- und Akazienbäume liefern die bevorzugten Holzsorten für die Schalen, Schüsseln, Schöpfer und Löffel, wobei für die Auswahl des Holzes die Härte eine wesentliche Rolle spielt.

Die Bearbeitung erfolgt solange das Holz noch frisch ist, mit einfachen Werkzeugen wie Dechsel, Messer und Stichel. Oft reißen die Schalen nach oder während der Herstellung. Risse sowie Astlöcher werden dann mit Metallspangen und Metallauflagen überarbeitet wodurch die Schalen nicht an Wert verlieren.

Nach der Fertigstellung werden die Schalen gefettet und angekohlt, oder mit Ruß geschwärzt und meist mit geometrischen Ornamenten verziert.

Als Ohrschmuck kennen die Touareg hauptsächlich Ohrringe verschiedener Ausführung, welche immer im durchbohrten Ohrläppchen getragen werden und dieses durch ihr Gewicht oft beträchtlich in die Länge ziehen. Die gebräuchlichsten sind die Modelle mit Namen ’schizabatan‘, die aus massiven Silberringen und mit Punzierungen verziertem Polyederknauf bestehen. Kleinere Modelle sind glatt und werden mittels Federhaken geschlossen. Alle Ohrringtypen werden in der Regel als Paar getragen.

Als Handelsobjekte sind Tee und Zucker fast die einzigen Gebrauchsgüter für die ein Nomadenhaushalt Bargeld ausgeben muss; Zucker wird in 2 kg schweren Hüten,  eingepackt in Papier, verkauft.

Um diese Zuckerhüte in kleine, mundgerechte Stücke zu zerlegen, fehlt in keinem Haushalt der Zuckerhammer, oft in prachtvoll ornamentierter Ausführung. Die übliche Form hat einen rechteckigen Kopf; bei den Regibat sind auch Hämmer in Gazellenform gebräuchlich, von den Touareg sind Hämmer in Axtform bekannt.

Neben den traditionellen Hämmern, die von lokalen Handwerkern angefertigt werden, finden auch alle möglichen anderen, hammerähnlichen Objekte Verwendung: Ausgedientes Werkzeug, wie Schraubenschlüssel, oder etwa Ventile zerlegter LKW-Motoren.

Einige Zweige des Touareg-Handwerks werden heute von Spezialisten ausgeführt; dazu zählt auch die Herstellung von Oberarmreifen aus Stein.

Die verschiedenfarbigen weichen Steinplatten werden in entsprechender Größe gebrochen und der Reif mit dem Querbeil grob aus dem vorgefundenen Vollmaterial herausmodelliert, bis zum Schluss der innere Kern des Grundmaterials aus dem Ring herausfällt. Nach der Feinbearbeitung der Reifen mit der Feile werden die fertig geformten Ringe gefettet und manche Typen mit Ruß geschwärzt.

Die Touaregmänner tragen diese Ringe am Oberarm, meist kurz über dem Ellbogen, wegen ihrer magischen Schutzwirkung vor bösen Geistern; zusätzlich haben diese Ringe eine Schmuckfunktion.

Seit einigen Jahren werden die Kerne, die bei der Ringherstellung als Abfallprodukt anfallen zu steinernen Anhängerchen, die ihre Vorbilder oft in Schmuckanhängern des Agadezkreuztypus und dessen Modifikationen haben, weiterverarbeitet.

Amulette sind sowohl als Schutz gegen den bösen Blick, Krankheiten und Verletzungen, als auch wegen ihrer sozio-ökonomischen Bedeutung als Statussymbol verbreitet.

Amulette aus Silberblechen, meist rechteckig oder mit dreieckiger Grundform mit stufenförmigem Aufbau, enthalten meist Zettel mit Koranversen, oder alten Zauberformeln aus dem Wissensschatz der Marabouts. Der Inhalt kann aber auch lediglich aus einem Stück Waschmittelkarton bestehen.

Wegen der magischen Kräfte des Materials werden solche Amulette auch aus Kupfer oder Messing hergestellt. Die meisten Objekte werden heute nur noch als reiner Schmuck getragen.

Ein weiterer Anhänger, der als Amulett Verwendung findet, ist die ‚Hand von Fatima‘, dieses Amulett mit dem Namen Khamsa oder Chomeissa, was auf arabisch ‚fünf‘ bedeutet ist in der ganzen islamischen Welt verbreitet.

Bei den Touareg werden die fünf Finger von Fatimas Hand durch fünf Rauten dargestellt. Der Grundkörper der Amulette besteht aus Leder und ist auf der Vorderseite mit rautenförmigen Silberblechen, Muschel- oder Knochenteilen bestückt.

Als weitere Variante findet man Amulettanhänger, die ganz aus Leder bestehen und nur durch Punzierungen verziert sind. Diese Amulette haben eine ausgesprochene Schutzfunktion vor Unfällen und Krankheiten.

3 Apr 2013

Charakteristische Schmuckstücke der Touareg sind Anhängerkreuze aus Silber. Sie werden meist als ‚Agadezkreuze‘ bezeichnet, obwohl sie auch andere Orte wie Iferouane, In Gall, Zinder und weitere Oasen zwischen den Hoggarbergen in Algerien und Agadez im Niger zu finden sind.

Die Herkunft der Kreuze ist heute noch recht unklar, obwohl zahlreiche Autoren verschiedene Hypothesen darüber angestellt haben. Das Silberkreuz soll wegen der Form sowie wegen des Materials die Wirkung des bösen Blickes in alle vier Himmelsrichtungen auseinandertreiben. Deshalb wiederholt sich auch die Kreuzform in anderen Gegenständen wie im Griff einiger Schwerter, im Knauf des Kamelsattels und in verschiedenen anderen Gebrauchsgegenständen.

Die Anhängerkreuze haben heute viel von Ihrem magisch- religiösen Gehalt verloren und werden meist nur noch aus ästhetischen Gründen getragen.

Silberkreuze sind vor allem im Air- und Adrar-Gebiet verbreitet und werden von Frauen wie auch von Männern an Lederschnüren getragen. Während der Feste sieht man oft Frauen, die eine Vielzahl von Kreuzen als Ausdruck ihres Reichtums zur Schau stellen; in Notzeiten dienen die Kreuze auch als Zahlungsmittel für Vieh, Kleidung etc.

2 Apr 2013

Die Touareg sind ein Volk berberischer Abstammung, das ursprünglich im fruchtbaren Nordafrika zu Hause war und vor ca. 1000 Jahren durch den arabischen Druck in die Wüste auswich. Heute hat das Wohn- und Nomadisierungsgebiet der Touareg seinen Kern in Algerien, erstreckt sich aber bis nach Lybien, in den Nordwesten von Niger, bis in den Norden von Mali und nach Burkina Faso.

Die Gesamtheit der Touareg bildet keine politische Einheit; es lassen sich regionale Gruppierungen unterscheiden, die sich wiederum in mehrere Stämme unterteilen:

  • Nördliche Touareg (Sahara-Touareg)
  • Kel Air, Kel Hoggar Südliche Touareg (Sudan -Touareg)
  • Kel Adrar
  • Kel Air Aullimmiden
  • Kel Tademaket
  • Kel Gress.

Unterschiede in der Lebensweise bestehen vor allem zwischen den Touareg, die in der Sahara leben und denjenigen, die im Sudan leben, da diese zwei Gebiete ein unterschiedliches Klima haben und damit auch verschiedene Anpassungsformen in der Lebensart der Menschen an ihre Umwelt erfordern.

Die Sahara-Touareg leben in extremer Trockenheit, sie  züchten Ziegen und Kamele, die mit der spärlichen Weide auskommen. Die Sudan-Touareg leben in einer Landschaft aus Wüste, Halbwüste und Grasland. Die Viehzucht ist vielfältiger und besteht aus Ziegen, Schafen, Eseln, Zeburindern, Kamelen und Pferden.

Die Kamelzucht ist mit einem hohen sozialen Status verbunden und war in der Vergangenheit ein Privileg der Adligen. Kamele liefern die Grundvoraussetzung für den Karawanenhandel, der heute mehr und mehr an Bedeutung  verliert. Der Karawanenhandel war der wichtigste wirtschaftliche Faktor in der Existenz der Touareg. Durch den zunehmenden Ausbau von Teerstrassen werden sie langsam verdrängt. Einzeln existieren aber auch heute noch Karawanen, die im Tauschhandel vor allem Salz, aber auch Hirse, Datteln, Holz und andere Oasenprodukte transportieren.